Nach der mehrere Jahre dauernden Renovierung der historisch wertvollen Orgel der katholischen Kirche von Lenauheim konnte nun 2025 das erste Orgelkonzert stattfinden.
Ermöglicht wurde dies besonders durch die Bereitschaft der HOG Lenauheim und ihrem Vorsitzenden Werner Griebel, der dafür die nötigen Vorbereitungen getroffen hat – von der Werbung bis hin zum Säubern der Kirche für das Konzert. Erst im Dezember 2024 hat ăBischof Josef Csaba Pál aus Temeswar die Renovierungsarbeiten an dieser Orgel gesegnet.
Dem in Siebenbürgen tätigen Orgelbauer Sándor Péter ist es gelungen, das interessante Orgelwerk mit seinem strahlenden Klang wieder in seine ursprüngliche Gestalt zu bringen. 1785 wurde eine kleine Orgel aus einem Wiener Kloster nach Lenauheim gebracht. Dieses rückspielige kleine Instrument wurde Anfang des
19. Jahrhunderts von Franz Anton Wälter aus Temeswar renoviert und vergrößert. Es ist dies eine der ältesten Orgeln des Banats, typisch für die Orgeln der Banater Heide. So finden wir auch in Gertjanosch eine ähnliche wertvolle Orgel von Wälter, die aber heute unspielbar ist, da es hineingeregnet hat. In Hatzfeld und in Großsanktnikolaus ist von den alten Wälterorgeln leider nur das Gehäuse erhalten geblieben. Die größte Orgel von Wälter steht in der bulgarischen Gemeinde Altbeschenowa.

An der Orgel von Lenauheim machte der bedeutende Temeswarer Domkapellmeister Msgr. Desiderius Járosy seine ersten musikalischen Schritte, dessen Grab sich auf dem Lenauheimer Friedhof befindet. Diesem Konzert wohnte sogar einer seiner Verwandten aus Ungarn bei, eingeladen von Werner Griebel. Auch der Banater Priester und Organist Josef Gerstenengst übte an diesem Instrument in der Zeit seiner Tätitgkeit als Kaplan dieser Pfarrgemeinde.
Wechselvoll war das Programm dieses Lenauheimer Kirchenkonzertes, dargeboten von denselben Protagonisten wie beim Temeswarer Domkonzert. Das Besondere: es erklangen hier zum ersten Mal einige kleine Orgelpräludien des Lovriner Kantors Anton Glasz aus dem Jahre 1795. Durch die Nachbarschaft der beiden ehemals schwäbischen Gemeinden Lovrin und Lenauheim wurden diese Präludien vermutlich bereits vor fast 200 Jahren an dieser Orgel gespielt.
Die beiden zweistimmigen Marienlieder mit Orgelbegleitung, komponiert von Johann Weber, rundeten das Programm ab. Johann Weber wirkte u.a. in Schöndorf, wo er auch zusammen mit dem dortigen Seelsorger ein Gebet- und Gesangbuch herausgegeben hat, das im ganzen Banat verbreitet war. Seine Sechs Marienlieder hat Johann Weber im Eigenverlag herausgegeben, sie waren bei den Landsleuten der schwäbischen Gemeinden bekannt und beliebt. Gewöhnlich wurden diese früher mit einem zweistimmigen Frauenchor (Kirchenchor) mit Orgelbegleitung aufgeführt. Auch ein zweistimmiges „Ave Maria“ eines unbekannten Komponisten, das vor einigen Jahren in Lugosch entdeckt wurde, fand großen Anklang bei diesem Konzert. Es ähnelt den zahlreichen zweistimmigen Kirchenliedern der Banater Schwaben, wie sie in den Banater Dorfkirchen gerne gesungen wurden.
Abgerundet wurde dieses Lenauheimer Konzert mit einem Besuch der Lenau-Gedenkstätte neben der Kirche. Das Deutsche Temeswarer Forum hat eigens dafür einen Bus mit interessierten Zuhörern organisiert, die sowohl beim Konzert als auch in der Lenau-Gedenkstätte anwesend waren. Am Ende des Konzertabends sprach Pfarrer Robert Dürbach ein kurzes Gebet und erteilte den Segen.
Dr. Andreas Schein