Nun sind 75 Jahre seit der Deportation in die Bărăgan Steppe vergangen. Zur Erinnerung, wurde am Heimattag in Ulm die Ausstellung hierzu eröffnet. Dr. Swantje Volkmann vom DSZM eröffnete die Ausstellung.
Ihre Worte waren sehr ergreifend, sie schilderte die Atmosphäre jener Zeit, die heißen Temperaturen, die hohen Disteln, hausen in Erdlöcher, die selbst gebauten Häuser, im Winter die vielen Schneemassen und die heftigen Winde.
Zur politischen Lage: 1951 spitzte sich die politische Lage zwischen Tito und Stalin zu. Die Folge, dass alle kommunistische Staaten die Beziehung zu Tito abbrechen mussten. Andererseits gab es im Südosten Rumäniens noch Gegenden, die schwach besiedelt waren, in denen der Staat billige Arbeitskräfte benötigte. So wurde eines Tages die Verschleppung der Bevölkerung, als Beschluss der Regierung durchgeführt.
Viele Familien aus Lenauheim waren in Răchitoasa in der Bărăgan-Steppe an der Donau im Osten Rumäniens.
Montag den 18.06.1951 mussten alle Sachen gepackt werden und innerhalb von drei Stunden, sollten sich die Familien am Bahnhof einfinden. Am Lenauheimer Bahnhof war ein reges Treiben. Ein Soldat bewachte die Familie, da war kein Entkommen. Transportmittel wurden bereitgestellt. Vieh, Möbel, Lebensmittel wurden gepackt und am Bahnhof in einen Viehwagon verladen. Johann Enderle hat die Situation in seinem Roman – Durch den Steppensand des Lebens – plastisch dargestellt.
Der Zug hatte eine Begleitmannschaft aus Offizieren und Soldaten, die in einem Personenwagen mitfuhren. Sobald der Zug stehen blieb, waren sofort die Wachsoldaten mit Gewehr postiert. Auf dem Stoppelfeld wurde abgeladen. Anfangs wird der so genannte Bunker erstellt. Dies war eine Grube von 3×4 Meter und ein Meter tief. Darauf war ein schiefes Dach, welches mit Schilf gedeckt war. Vorne waren ein Fenster und eine Tür. Nun wurden die Häuser gebaut. Das kleine Haus bestand aus einem Zimmer und einer Küche, das große Haus bestand aus zwei Zimmer und einer Küche in der Mitte. Es gab eine Schablone, bestehend aus Brettern, die mit feuchter Erde voll gestampft wurde. Das Bauholz konnte bei der Bauleitung abgeholt werden. Fenster und Türen waren genormt. Der Fußboden bestand aus bloßer Erde. Die Öfen und Backröhre waren aus Lehmziegeln gemauert. Das Dach wurde mit Schilf gedeckt. Die Häuser waren einheitlich innen und außen mit Kalk getüncht. Auch hier lag eine große Last auf den Frauen. Alle halfen mit, damit die Lehmhütten bis zum Winter fertig wurden.
Die Ausweise waren mit D.O. gestempelt, dies bedeutet Domicil Obligator, was so viel heißt wie Zwangsaufenthalt. Man durfte sich nur 12 km von dem jeweiligen Ort entfernen. Ende Oktober war das Haus fertig gebaut. Die Mütter arbeiteten auf der Baumwollplantage, auf dem Reisfeld oder in der Gärtnerei. Die Donau war die einzige Wasserquelle. Im Winter 1953/1954 war sehr kalt mit Schneeverwehungen. Einige Häuser waren bis zum Dach, mit Schnee, verweht. Sodass erstmal frei geschaufelt werden musste. Impressionen hierzu schildert Wilhelm Weber in seinem Buch – Und über uns der blaue endlose Himmel – Das Buch will Mahnmal sein für das unsägliche Leid, das schuldlosen deutschen Menschen angetan worden ist, von den Machthabern einer brutalen Diktatur.
Insgesamt gab es in der rumänischen Tiefebene 18 Dörfer der Banater Schwaben, die mit viel Fleiß und Ausdauer ihr Leben gemeistert haben. Die Hoffnung wurde nie aufgegeben, das Leben ging weiter, Kinder werden geboren, es wurde gesungen und Kirchweih gefeiert. Im März 1956 war die Rückreise. Die Häuser in der Heimat waren enteignet, es gab wieder Wohnungsmangel. Das Leben ging weiter, immer weiter…und weiter……die Banater Schwaben ließen sich nicht unterkriegen.
geschildert von Ingrid Jung, geb. Blassmann,
geboren in der Baragandeportation





