Das Schulleben und die Gemeinschaft geprägt

Nach längerer, schwerer Krankheit verstarb am 17. Juli 2026 in Durmersheim in Baden-Württemberg Anna Edith Goșa, geb. Massoni, verdienstvolle Lehrerin und hervorragende Pädagogin an der deutschen Abteilung der Perjamoscher Schule, an der sie zwischen den Jahren 1963 – 1998 viele Generationen von Schülern unterrichtete.

Ihre Fächer waren Botanik, Zoologie, Anatomie, Landwirtschaft und Chemie. Parallel dazu (und weil stets ein Mangel an Deutschlehrern an den Schulen zu verzeichnen war) unterrichtete sie auch Deutsch als Fremdsprache, wobei ihr die gediegene Ausbildung an der Lenauschule sehr von Nutzen war. So kam es auch, dass sie noch weitere zehn Jahre nach Rentenantritt an der Allgemeinschule Deutsch als Fremdsprache unterrichtete, da ich als einzige festangestellte Deutschlehrerin das Pensum an Deutschstunden nicht schaffte. So wollte sie noch einen Beitrag dazu
leisten, die deutsche Sprache als Fremdsprache anbieten zu können.

Edith Goșa (1943-2026)
Edith Goșa (1943-2026)

Anna Edith Massoni wurde am 1. Mai 1943 in Lenauheim geboren. Die Großeltern väterlicherseits waren Bauern und die Großeltern mütterlicherseits Kaufleute. Ihre Kindheit war vom Krieg und den Nachkriegsjahren geprägt. Sie wuchs bei ihrer Oma Elisabeth Anton auf, da ihre Mutter nach Russland verschleppt wurde. Ihrer Oma und ihrer Verwandtschaft Massoni ist es trotz aller Schwierigkeiten und Entbehrungen der Nachkriegsjahre gelungen, bei ihr die Anlagen für einen offenen und interessierten Menschen zu fördern. Diese Offenheit und das Interesse an ihren Mitmenschen und den Geschehnissen um sie herum hat sie sich bis zuletzt bewahrt. Die Grundschule besuchte sie in ihrem Heimatort, danach von 1957-1961 die humanistische Abteilung des Nikolaus Lenau Lyzeums in Temeswar. Während dieser Zeit wohnte sie im Internat und schloss viele Freundschaften mit Mitschülerinnen aus den verschiedensten Ortschaften des Banats. Sie erinnerte sich gerne an diese Zeit und erzählte öfter von den Freundinnen, den Lehrern und vom Internatsleben. Sie war stets daran interessiert, sich fortzubilden und begann ein Studium der Naturwissenschaften und Landwirtschaft am Pädagogischen Institut in Temeswar, welches sie 1965 erfolgreich absolvierte.

Während des Studiums war sie an der Schule in Großjetscha als Biologielehrerin tätig. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann Tiberiu Goșa kennen, der in Großjetscha die Schulleitung innehatte. 1963, ein Jahr nach der Heirat, wurde das Ehepaar Goșa nach Perjamosch versetzt. Hier gehörte die Goșas zur goldenen Generation von Lehrern, die nicht nur das Schulleben geprägt, sondern auch die Grundlagen für eine äußerst solide klassische Bildung der Schüler gelegt haben, wenn auch mit den heute verpönten klassischen Methoden. Disziplin, Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Wertschätzung der Bildung charakterisierten diese Lehrer, die dieselben Eigenschaften auch bei ihren Schülern förderten. Vielleicht lag es auch daran, dass über 90% der Lehrkräfte ortsansässig waren und es in den 60er bis 80er Jahren um die zehn Ehepaare gab, die alle in der Schule oder deren Umfeld tätig waren. Das stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl und einte alle zu gemeinsamen Zielen. Dies wiederum schlug sich in den Erfolgen der Schüler nieder. Anna Edith Goșa ist – zusammen mit all den anderen engagierten
Lehrer der Schule – dafür verantwortlich, dass sich Generationen von Schülern eine gute Wissensbasis aneignen konnten, gut vorbereitet waren für die Aufnahmeprüfungen an weiterführenden Schulen, für den späteren Beruf und nicht zuletzt fürs Leben.

Lehrerin Goșa war mit Herz und Seele Lehrerin und sie hat sich immer sehr gefreut, wenn sie von ehemaligen Schülern hörte, dass sie „es geschafft haben“ und ihren Weg im Leben gefunden haben. Beiden Lehrern Goșa war es sehr wichtig, dass jedes Kind – je nach Möglichkeiten – seinen Weg und seinen Sinn im Leben findet. Lehrerin Goșa forderte Konzentration und Motivation. Während des Unterrichts herrschte Disziplin und Arbeitsatmosphäre. Für seine mangelnde Vorbereitung musste der Schüler selbst einstehen und die Konsequenzen tragen. Ihre stets gut beherrschte Mimik zeigte selten, was sie fühlte. Aber Schüler, die sie gut kannten, wussten, dass sie eine sehr feine Ironie besaß, die sich vielleicht mal durch ein kurzes Augenzwinkern verriet.

Dabei verfolgte sie die Entwicklung jedes einzelnen Schülers und konnte sich in den Pausen sehr gut über Zwischenfälle in der Klasse amüsieren. Sie nahm mich als Junglehrerin unter ihre Fittiche, führte mich in viele Probleme des Schullebens ein, machte mich mit den Familien der Schüler vertraut, da sie ja schon 20 Jahre vor mir da war. Sie gab mir manch guten Ratschlag und erstaunte mich immer wieder durch ihre Offenheit, Direktheit und ihren guten Sinn für Humor.

Die Quelle ihrer Erzählfreude war fast bodenlos: Erinnerungen, Bekannte, Lokalgeschichte – über alles wusste sie was zu erzählen. Aber so informations- und detailreich und auch pointiert ihre Erzählweise war, nichts übertraf ihre Freude am Erzählen. Auch kulturell war sie immer sehr aufgeschlossen. Sobald es um eine Schulfeier ging, Theater, Lieder, Tänze usw. – auf ihre Unterstützung und kritische Meinung konnte man immer zählen. Und dies aus der Tatsache heraus, dass Anna Edith Goșa eine sehr traditionsbewusste Banater Schwäbin war, die für diese Gemeinschaft sehr bewusst lebte und wusste, dass Traditionen und Bräuche auf unsere Wurzeln hinweisen und unsere Identität bewahren.

Zeit ihres Lebens hielt sie sich über das aktuelle Politikgeschehen auf dem Laufenden und wartete auch immer ungeduldig auf die nächste Ausgabe der „Banater Post“. Sie hatte ein äußerst gutes Gedächtnis, konnte sehr klar Zusammenhänge erkennen und Geschehnisse einordnen. Privat kümmerte sie sich um Haus und Garten, um ihre Haustiere und um ihren wunderschönen Blumengarten. Darüber gab es immer was zu erzählen. Aber auch ihre Kochkünste
waren unter Kollegen gut bekannt. Und natürlich kümmerte sie sich in erster Linie um ihre Familie: Ihre beiden Kinder Marius und Monica haben in Temeswar Physik studiert.

Marius ist seit 1987 Physiklehrer in Mediasch und dort auch Mitarbeiter des Zentrums für Lehrerfortbildung und Monica lebt seit 1990 in Deutschland und arbeitet als Datenbankentwicklerin. Aus gesundheitlichen Gründen wohnte Anna Edith Goșa seit 2020 bei ihrer Tochter in Deutschland. Ihre Urne wird zu einem späteren Zeitpunkt in Lenauheim beigesetzt werden.

Ihre Schüler und Kollegen, soweit noch am Leben, alle, die sie gekannt haben, werden ihr stets ein ehrendes Andenken bewahren. Und das sagt viel über einen Lehrer aus.

Sigrid Kuhn

veröffentlicht in der Banater Post Nr. 16-2026 am 20.08.2026