Lenau-Denkmal

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Schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts tauchte der Gedanke auf, Lenaus Andenken in seinem Geburtsort zu ehren und zu erhalten. Mit der Errichtung des Lenau-Denkmals und anderer Gedenkeinrichtungen haben die Lenauheimer dieses lobenswerte Vorhaben in die Tat umgesetzt. Der Grundstein für das erwähnte Denkmal wurde anlässlich des hundertsten Geburtstags des Dichters (1902) gelegt. Das Kunstwerk selbst wurde am 12. Juni 1905 in feierlichem Rahmen enthüllt. Es bekam seinen Ehrenplatz in einem kleinen Park, der im Dorfzentrum angelegt und bis auf den heutigen Tag erhalten wurde.

Im Mittelfeld der umfriedeten Gartenanlage steht das Denkmal. Von der Hauptstraße her führt ein annähernd 3 Meter breiter Zugang am Denkmal vorbei. Es ist ein wahres Schmuckstück der Gemeinde, die Krone der Dichterehrung, die die Dorfbewohner dem Andenken Lenaus erbracht haben.

Längere Zeit wurde angenommen, dass der Bildhauer Josef Rona der Schöpfer des „Tschatader“ (wie die Gemeinde früher hieß) Lenau-Denkmals gewesen sei. Durch die Forschungen der Lehrerin Maria Forray (ungarische Sprache und Literatur), die sich um die Wertung der geistigen Gemeinsamkeit Petöfi-Lenau bemüht, wurde der berühmte ungarische Bildhauer Radnay als Schöpfer des Lenau-Denkmals ausgemacht. Mehrere lexikale Quellenunterlagen dienen als Nachweismaterial für diese interessante Feststellung.

Von Edith Zwick (Reschitza) hier nun einige Zeilen aus der Hinterlassenschaft ihres Vaters, Dr. Gerber, die diesbezüglich auch aufschlussreich sind:

„Gelegentlich eines Urlaubes besuchte ich 1901 als Student der Medizin den Apotheker Julius Bierbaum. Dieser sagte mir, dass er die Absicht hege, den 100. Geburtstag Lenaus würdig zu begehen. Er denke dabei an ein Relief, welches am 13.3.1902 am Geburtshaus des Dichters feierlich enthüllt werden sollte. Die Kosten wollte er durch eine Sammlung oder, wenn das nicht gelingen sollte, durch Gemeindespenden aufbringen. Da er mit dem Notar Johann Bartole in Verdruss war, bat er mich, diesem den Vorschlag zu machen. Der Notar war von dem Plan begeistert und bildete sogleich ein Komitee. Da auch die Zeitungen den Fall aufgriffen, wurde die ungarische Öffentlichkeit aufmerksam. Einzelheiten weiß ich nicht, aber nach 2 Monaten schrieben schon die Budapester Zeitungen über die Tätigkeit des Komitees. Es floss mehr Geld ein, als man gehofft hatte. Weitere Gelder versprach die Regierung, so dass das Komitee einen Wettbewerb für eine Statue ausschrieb. Leider war die Zeit zu kurz, darum beschloss man, zum 100. Geburtstag Lenaus bloß den Grundstein zu legen.
Das Innenministerium mit Stadtsekretär Gullner, der Dichter Franz Herczeg nahmen sich der Sache an und machten aus der Grundsteinlegung ein Fest. Zu diesem Fest wurde auf höheren Wunsch niemand aus Deutschland und Österreich geladen. Die Reden waren ungarisch-patriotisch, nur Ingenieur Schneider, ein geborener Bogaroscher, sprach deutsch. Nachmittag wurde ein Kerweifest in Tracht veranstaltet.
Franz Herczeg schrieb später dem Denkmalkomitee, dass der Bildhauer Johann Fadrusz die Modellierung machen würde, wenn das Komitee damit einverstanden sei. Das Komitee ließ daraufhin den Wettbewerb fallen, schickte eine Abordnung (Notar Bartole und mich) zu Fadrusz, um ihm den Dank auszusprechen. Bei dieser Gelegenheit sagte uns Johann Fadrusz, ein Deutscher aus der Slowakei, seine Gemahlin sei eine Verwandte des Dichters, der auch ihr Lieblingsdichter sei. Das sei mit ein Grund, dass er das Denkmal modellieren möchte. Das Gipsmodell hat Fadrusz geschaffen, das Denkmal, konnte er nicht fertigstellen, denn er starb bald darauf. So schuf dann sein Schüler Radnay das Lenau-Denkmal.“

Auf einem annähernd meterhohen Erdhügel, von immergrünem Efeu umsponnen, steht die Skulptur – aus Stein und bronzelegiertem Guss: Der Dichter und die Muse. Es ist eine Komposition mit ungefähr lebensgroßen Gestalten auf zwei übereinandergelegten Steinplatten. Den Rahmen bietet der vormals von wildem Wein umrankte Säulengang im Hintergrund. Auf vier kräftigen Trägern mit einem etwas wulstigen weißen Säulenschaft ohne Kannelierung, ruht das Giebeldreieck der Vorhalle zum Gebäude der Gemeindeverwaltung. Der ganze Vorbau mit seinen einfachen klassischen Formen mutet wie eine dorische Architektur an und harmoniert mit dem im Mittelfeld errichteten Lenau-Denkmal.

Auf einem aus Sandstein gefertigten Sockel steht eine aus einem Stück gefertigte Steinbank von anderthalb Meter Länge, kaum verziert, doch kantig und mit einer leichtgeschweiften Rückenlehne versehen. Hier auf dieser Bank sitzt der Dichter. Die rechte Hand hält er im Schoss und die linke vornüber auf die Seitenlehne gestützt, mit dem Buche seiner Lieder in der Hand. Trauer und Schwermut, tiefes Sinnen verkörpert die gesamte Komposition. Und als wollte der Dichter lauschen, mit leicht gewendetem Haupte, den musischen Klängen. Dicht hinter der Bank und dem Denker steht eine geistvolle, wohlgeformt Frauengestalt; sie neigt sich dem Dichter zu und richtet ihren Arm hinüber zum Geburtshaus. Auf eine Marmortafel sind (in drei Sprachen) die einem sehnlichen Wunsch des Dichters entsprungenen Worte gesetzt worden:

 „Möchte wieder in die Gegend,
Wo ich einst selig war,
Wo ich lebte, wo ich träumte
Meiner Jugend schönstes Jahr.

Prof. Karl-Hans Gross
aus der Zeitung „Neuer Weg“